Bedburgs „Zückerchen“: der neue Stadtteil auf dem Gelände der ehemaligen Zuckerfabrik

Der Rat der Stadt Bedburg hat am 5. November 2019 mit den Stimmen der FWG, der SPD und Bürgermeister Sascha Solbach für den Bebauungsplan auf dem ehemaligen Zuckerfabrikgelände gestimmt. Von der FWG wird der dort neu geplante Stadtteil aufgrund der Geschichte des Geländes „Zückerchen“ genannt. Dieser Stadtteil bietet Platz für etwa 3.000 Menschen und damit die dringend benötigte Erweiterung für Bedburg als wachsende Stadt. Mit einer neuen Grundschule, einem Kindergarten, einem großen Hotel, städtischem Grün, mehr Infrastruktur und einem vergrößerten Freizeitangebot wie einem Kino stärkt der Stadtteil Bedburg nicht nur nach innen, sondern macht die Stadt auch regional attraktiver.

Allerdings ist die politische Entstehungsgeschichte dieses neuen Stadtteils alles andere als gut. In einer bisher nie dagewesenen Art und Weise hat eine verschworene Opposition aus CDU, Grünen und FDP versucht, die Planungen dieser solch wichtigen Maßnahme zur Stadtentwicklung nicht nur zu blockieren, sondern sie praktisch alternativlos zu vernichten. Viele Horrorszenarien wurden der Bevölkerung vorgegaukelt: angeblich war das Gelände mit Giftstoffen kontaminiert, eine Methanblase unter dem Gelände sollte die gesamte Bevölkerung Bedburgs gefährden, der Boden sei niemals für Gebäude tragfähig und eine seltene grüne Kröte sollte ihre Heimat verlieren. Zudem wurden von den drei Parteien soziale Brennpunkte wie in Millionenstädten durch Auswärtige befürchtet. Ihre Vorstellung war stattdessen ein „Bedburg für Bedburger“.

Das falsche Spiel der drei Parteien wurde zu einer politischen Farce, die dem Ruf Bedburgs schadete, vor allem im Hinblick auf die bisherigen Positionen der Parteien: 2011 wollte auf genau diesem Gelände die bis 2014 bestehende Jamaikakoalition dieser drei Parteien die sogenannten „Bedburger Höfe“ errichten. Von den jetzt aufgezeigten angeblichen Risiken wollte die Koalition damals nichts wissen. Was jedoch bewusst verschwiegen wurde, war die Aufklärung all der angeblichen Unmöglichkeiten auf diesem Gelände. Die Stadtverwaltung und der Investor konnten durch kleinschrittige Arbeit sämtliche Fragen beantworten. Die FWG war anfangs sehr besorgt wegen möglicher Schäden durch Setzungen, denen der Investor allerdings durch eine ausreichende finanzielle Absicherung für die Stadt im Schadensfall entgegenkam, die die FWG als Sicherheit forderte.

Später wurde die Geschosshöhe des Hochhauses thematisiert. Der Bebauungsplan ließ von Anfang an eine Bebauung von zehn bis 13 Geschossen zu. Die führenden Persönlichkeiten der drei Parteien waren sich nicht zu schade, sich mit einer realitätsfernen Fotomontage eines 20-geschossigen Hochhauses im Stile eines Wolkenkratzers vor dem Bedburger Schloss ablichten zu lassen. Auch wollten sie nicht mehr an die dort jahrzehntelang stehenden Zuckersilos von über 40 Metern Höhe erinnert werden, die vielen Bedburgerinnen und Bedburgern als Zeichen des Aufschwungs gut und positiv in Erinnerung sind. Am Ende wählte der Investor seinerseits eine Höhe von zehn Geschossen.

Die anscheinend zurückgekehrte Jamaikakoalition war stets gegen das Vorhaben, hat aber nie einen anderen Vorschlag für die Nutzung des Geländes vorgelegt. Einzig die Grünen wollten die gesamte Fläche nur bewalden, aber selbst eine Aufforstung des Geländes wäre nicht möglich, da die Stadt gar nicht Eigentümerin der Fläche ist. Als bei der Abstimmung über die erforderliche Änderung des Flächennutzungsplanes die Jamaikakoalition mit Nein stimmte, sprach die FWG von Totalverweigerung. Bis zum Tag der endgültigen Entscheidung über die Nutzung des Geländes kam kein Vorschlag seitens der drei ablehnenden Parteien, wie die Fläche anderweitig genutzt werden kann. Diese Haltung als Totalverweigerung zu bezeichnen, sehen wir daher als zutreffend an. Es ist schockierend, wie diese drei Parteien, von denen sich zwei stets als angeblich besonders wirtschaftsfreundlich bezeichnen, bauwillige Investoren aus Bedburg verjagen wollten.

Dieser Prozess zog sich sehr zäh über Monate hin, allerdings sind wir froh, dass der Investor geduldig wartete und das Vorhaben nicht andernorts umsetzte. Wir sind weiterhin von der positiven Wirkung des Stadtteils überzeugt, der letztlich die seit dem Abriss der Zuckerfabrik vor vielen Jahren bestehende Lücke im Stadtbild wieder füllen wird. Dass im gleichen Zug die Infrastruktur Bedburgs gestärkt werden kann und dort neben Wohnraum, einem Kindergarten und einer Schule auch etwas für die städtische Wirtschaft getan wird, erfreut uns sehr. Wir hoffen, dass die Umsetzung zügig vorangeht und das „Zückerchen“ als neuer Stadtteil bald mit Leben gefüllt werden kann.

(Grafiken: A. Paas)