In Erinnerung an die ermordeten jüdischen Bedburgerinnen und Bedburger: Stolpersteine sauber gemacht

Gestern Nachmittag trafen sich einige Bürgerinnen und Bürger am Ort der ehemaligen Synagoge in der Bedburger Innenstadt, um dem Aufruf von Bürgermeister Sascha Solbach zu folgen und die Stolpersteine sauber zu machen, die an die vom NS-Regime ermordeten jüdischen Bedburgerinnen und Bedburger erinnern. Manche von ihnen fanden den Tod im Konzentrationslager Auschwitz, welches vor 75 Jahren befreit wurde.

Heinz Obergünner vom Verein für Geschichte und Heimatkunde Bedburg e.V. und Sascha Solbach drückten in ihren Reden aus, dass sich die Vergangenheit nicht wiederholen dürfe, was die FWG nur bekräftigen kann. Angesichts aktueller Entwicklungen scheint es für manche Leute keine Grenzen mehr zu geben: Rechtspopulisten und Rechtsextreme hetzen, schüren Ängste und verunsichern viele Menschen. Aus Angst wird Hass, den Andersdenkende und Minderheiten zu spüren bekommen. Dieser Entwicklung stellt sich die FWG entschieden entgegen! Eine offene und freie Gesellschaft lässt sich davon nicht einschüchtern.

Der Bürgermeister las anlässlich der Erinnerung einen Text von Erik Flügge vor:

Es ist erst 75 Jahre her, dass das Vernichtungslager Auschwitz befreit wurde. Über eine Millionen Menschen wurden dort industriell ermordet.

Seit einigen Jahren nun hören wir den Ruf, man müsse mit diesem Kapitel der Geschichte nach sieben Jahrzehnten abschließen. Aber die Auseinandersetzung mit Auschwitz und dem Holocaust kann nicht enden.

Gedanken können in der Menschheitsgeschichte nicht vernichtet werden. Was erdacht wurde und die kritische Schwelle der Relevanz überschritten hat, kann nicht gelöscht werden. So verhält es sich mit jedem Gedanken und sei er noch so sehr voller Vernichtungskraft.

Würde die Welt sich einigen, dass keine Macht mehr die Atombome besitzen dürfe, so müsste doch stets überwacht und verhindert werden, dass nicht doch jemand versucht, diese Bombe erneut zu bauen. Selbst ohne eine einzige funktionstüchtige Atombombe auf der Welt, selbst wenn jeder Bauplan einer Atombombe vernichtet wäre, ist der Gedanke, dass es diese Bombe geben kann, unauslöschlich. Genau so verhält es sich mit dem Holocaust.

Auschwitz ist in der Welt. Der Gedanke der industriellen Vernichtung von Menschen ist unauslöschlich Teil der Menschheit geworden.

Selbst nach der Befreiung aller Konzentrationslager kann dieser Gedanke nicht mehr gebannt werden. Damit ist dieser Gedanke denkbar für jeden geworden. Es braucht keinen pervertierten, neues erschaffenden Geist mehr, um Gaskammern, Hochöfen, Deportationen und Massenvernichtungen zu erdenken. Heute steht dieser Gedanke jedem hassenden Dummen zur Verfügung, denn erdacht und erprobt wurde dieser Horror bereits.

In meiner Generation gibt es eine häufig gestellte Frage. Sie lautet, wie hätte ich damals unter den gleichen Bedingungen gehandelt? Aber ist diese Frage überhaupt relevant? Muss sie nicht eher lauten, ob ich unter den Konditionen von heute ausreichend wehrhaft handle, um ein neues Konzentrationslager zu verhindern?

Heute ist Auschwitz als Konzept in der Welt. Wir müssen wissen, dass das nächste Vernichtungslager erneut am Ende von Entrechtungen und Entmenschlichungen stehen kann. Weil wir das wissen, machen wir uns heute leichter schuldig, als noch die Generation unserer Großeltern. Wir wissen, dass jede unwidersprochene, jede nicht bekämpfte Aufgabe des Prinzips der Menschenwürde den Spielraum für neue Konzentrationslager und Gaskammern bereiten kann.

Wer in der heutigen Welt nicht widerspricht, macht sich schuldig.

Wir kennen das Lager, das am Ende von Entmenschlichung steht.

(Fotos: FWG)

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