Wenn der Pressetisch leer bleibt:
Warum Bedburg starken Lokaljournalismus braucht

Mit dem 30. September 2026 endet die Tätigkeit der Rheinischen Redaktionsgemeinschaft. 57 tarifgebundene Vollzeitstellen fallen im Zuge der Neuaufstellung bei den Kölner Stadt-Anzeiger Medien weg. Bei der jüngsten Sitzung des Rates der Stadt Bedburg wurde unmittelbar sichtbar, was eine solche Veränderung vor Ort bedeuten kann: Der Pressetisch blieb leer.

Über viele Jahre gehörte es zum gewohnten Bild bei den Sitzungen des Bedburger Stadtrates: Neben Verwaltung und Politik war auch die lokale Presse vertreten. Sie hörte zu, fragte nach, ordnete ein und berichtete anschließend darüber, welche Entscheidungen getroffen wurden und welche Diskussionen ihnen vorausgingen.

Bei der Ratssitzung am 29. September war das anders. Der Pressetisch blieb leer. Die Ratsmitglieder brachten in der Sitzung ihr Unverständnis über die aktuelle Entwicklung zum Ausdruck.

57 Vollzeitstellen fallen weg

Hintergrund ist die Neuaufstellung der regionalen Berichterstattung bei den Kölner Stadt-Anzeiger Medien. Die Rheinische Redaktionsgemeinschaft (RRG), die bislang als eigenständiger Dienstleister die Regionalteile für das Kölner Umland produziert hat, beendet zum 30. September 2026 ihre Tätigkeit. Betroffen sind 57 tarifgebundene Vollzeitstellen. Wie viele Beschäftigte tatsächlich ihren Arbeitsplatz verlieren, war zuletzt noch offen. Offene Stellen in den neuen Strukturen sollten zunächst intern ausgeschrieben werden. M – Menschen Machen Medien (ver.di)

Der Verlag begründet den Umbau insbesondere mit einem Medienmarkt, der sich seit Jahren grundlegend verändert. Gedruckte Tageszeitungen verlieren kontinuierlich an Auflage, während digitale Angebote an Bedeutung gewinnen. Deshalb sollen Investitionen verstärkt in die digitalen Bereiche fließen. M – Menschen Machen Medien (ver.di)

Diese Entwicklung grundsätzlich zu ignorieren, wäre aus unserer Sicht falsch. Journalismus muss sich weiterentwickeln, wenn sich die Art verändert, wie Menschen Nachrichten konsumieren.

Entscheidend ist für uns jedoch, was bei dieser Veränderung erhalten bleibt.

KI ist nicht das Problem – entscheidend ist, wie wir sie einsetzen

In der öffentlichen Diskussion spielt auch Künstliche Intelligenz eine große Rolle. Dabei lohnt sich ein differenzierter Blick.

Nach Darstellung der Kölner Stadt-Anzeiger Medien sollen Inhalte künftig von digitalen Regio-Teams erstellt und anschließend für Portale, Apps, E-Paper und die gedruckte Zeitung aufbereitet werden. Wiederkehrende Produktionsschritte sollen mithilfe neuer Technologien und KI stärker automatisiert werden. Der Verlag betont ausdrücklich, dass KI nicht die journalistische Arbeit ersetzen, sondern beispielsweise bei der Auswertung umfangreicher Ratsunterlagen unterstützen soll. M – Menschen Machen Medien (ver.di)

Auch wir sehen Künstliche Intelligenz nicht grundsätzlich als Bedrohung für den Journalismus.

Im Gegenteil: KI kann ein hervorragendes Werkzeug sein. Sie kann große Informationsmengen auswerten, bei Routinetätigkeiten unterstützen und damit im besten Fall mehr Zeit für das schaffen, worauf es im Journalismus wirklich ankommt: recherchieren, nachfragen, Zusammenhänge erkennen und einordnen.

Aber genau dort liegt für uns auch die Grenze:

KI kann journalistische Arbeit unterstützen. Sie kann den Menschen vor Ort nicht ersetzen.

Lokaljournalismus braucht Ortskenntnis und Nähe

Wer regelmäßig aus Bedburg berichtet, kennt irgendwann mehr als die aktuelle Tagesordnung einer Ratssitzung.

Er kennt die Vorgeschichte einer politischen Debatte. Er weiß, welche Themen die Menschen seit Jahren beschäftigen. Er kennt Verwaltung, Vereine, Unternehmen und Politik – und vor allem die Menschen unserer Stadt.

Und er kann nachfragen.

Auch für uns als Kommunalpolitiker ist das nicht immer angenehm. Eine kritische Frage kann unbequem sein. Ein Zeitungsartikel kann einen anderen Schwerpunkt setzen, als man selbst es gerne hätte. Und selbstverständlich waren wir nicht mit jeder journalistischen Bewertung einverstanden.

Aber genau das ist die Aufgabe einer unabhängigen Presse.

Journalismus ist nicht dazu da, politische Positionen einfach weiterzugeben. Er soll hinterfragen, unterschiedliche Sichtweisen abbilden, Sachverhalte einordnen und den Bürgerinnen und Bürgern ermöglichen, sich selbst eine Meinung zu bilden.

Gerade auf kommunaler Ebene ist das von großer Bedeutung. Viele Entscheidungen, die den Alltag unmittelbar beeinflussen, werden im Stadtrat und in seinen Ausschüssen getroffen. Eine kontinuierliche journalistische Begleitung schafft Öffentlichkeit und Transparenz.

Deshalb bereitet uns nicht der technologische Wandel Sorgen. Uns bereitet die Frage Sorgen, ob auch künftig genügend Journalistinnen und Journalisten tatsächlich vor Ort sein werden.

Danke, Dennis!

Für Bedburg hatte diese lokale Berichterstattung über viele Jahre auch einen Namen: Dennis Vlaminck.

Als Redakteur der Redaktion Rhein-Erft hat er Bedburg und die Bedburger Kommunalpolitik kontinuierlich journalistisch begleitet. Zahlreiche seiner Beiträge der vergangenen Jahre dokumentieren politische Entscheidungen und Ereignisse unserer Stadt. Kölner Stadt-Anzeiger

Deshalb möchten wir an dieser Stelle ganz persönlich Danke sagen.

Lieber Dennis,

du hast zugehört, nachgefragt und auch kritisch hingeschaut. Wir haben sicherlich nicht jeden Artikel und jede Einordnung immer genauso gesehen. Das mussten wir aber auch nicht.

Denn gerade darin liegt der Wert unabhängigen Journalismus.

Danke für die vielen Gespräche, deine kritischen Fragen und dafür, dass du die kleinen und großen Geschichten unserer Stadt für die Menschen in Bedburg sichtbar gemacht hast.

Wir werden dich am Pressetisch vermissen.

Unser Dank und unsere Anerkennung gelten ebenso den weiteren betroffenen Journalistinnen und Journalisten, für die das Ende der Rheinischen Redaktionsgemeinschaft eine berufliche Zäsur bedeutet.

Lokaljournalismus muss eine Zukunft haben

Wir haben Verständnis dafür, dass sich Medienunternehmen angesichts sinkender Printauflagen und veränderter Nutzungsgewohnheiten neu aufstellen müssen. Und wir sind davon überzeugt, dass Digitalisierung und Künstliche Intelligenz Teil der Zukunft des Journalismus sein werden.

Was dabei aber nicht verloren gehen darf, ist seine lokale Verankerung.

Digitalisierung und KI können guten Journalismus stärker machen. Sie dürfen aber nicht dazu führen, dass am Ende niemand mehr am Pressetisch sitzt.

Denn Bedburg braucht auch in Zukunft Journalistinnen und Journalisten, die unsere Stadt kennen, vor Ort recherchieren, kritisch nachfragen und unabhängig darüber berichten, was hier passiert.

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